Auf Jesu
Spuren durch Israel
Trotz mancher Sicherheitsbedenken unternahmen auf
Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde Essingen unter der Leitung von
Pfarrer Bäuerle 33 Teilnehmer Ende März 2008 eine achttägige Reise nach Israel.
Als Pilgerreise führte sie uns auf Jesu Spuren an die wichtigsten Orte seines
Wirkens. Mit Lesungen, Andachten und Liedern ließ Pfarrer Bäuerle an den
jeweiligen Orten die biblischen Ereignisse in uns lebendig werden.
Die Rundreise führte von Netanya die Mittelmeerküste
entlang nach Cäsarea, der alten römischen Hafen- und Verwaltungsstadt, vorbei
am Berg Karmel über Haifa nach Akko mit seinen noch heute erhaltenen
Festungsanlagen der Kreuzfahrer.
Eindrücklich war der Besuch in der 1938 von deutschen
Juden aus Rexingen bei Horb gegründeten landwirtschaftlichen Genossenschaft
Shavei Zion dicht an der libanesischen Grenze. Amoz Fröhlich, als 8-Jähriger
mit seinen Eltern nach Shavei Zion gekommen, erzählte über die Flucht aus
Deutschland und über die harten Aufbaujahre.
Von Tiberias am See Genezareth folgten wir Jesu Spuren
zum Berg Tabor, dem Berg der Verklärung. Nach einer Mittagsrast direkt am
Seeufer mit Petrusfisch ging es weiter nach Kapernaum mit dem Haus des Petrus
und auf den Berg der Seligpreisungen. Hier bot sich ein herrlicher Blick über
den ganzen See Genezareth. Zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde eine
abendliche Fahrt in einem den antiken Booten nachgebauten Holzboot über den See
Genezareth mit der Feier des Heiligen Abendmahls.
Von Tiberias folgten wir dem Lauf des Jordans hinunter
an die Stelle, wo Jesus von Johannes getauft wurde. Die wüstenhafte Landschaft
erhält dort ihren Akzent durch die Oase Jericho, gleichzeitig älteste und
400 m unter dem Meeresspiegel liegend tiefste Stadt der Erde. Zu sehen
sind dort in einem Schutthügel noch Mauerreste, die den sagenhaften Trompeten
von Jericho zum Opfer fielen. Durch die Berge der Wüste von Judäa führt heute
eine bestens ausgebaute Autobahn nach Jerusalem, dessen Vorortsiedlungen weit
in das palästinensische Land hineinragen. Kommt man die 1200 Höhenmeter aus dem
Jordantal herauf, so präsentiert sich Jerusalem durchaus als die aus dem Lied
bekannte „hochgebaute Stadt“.
Im anschließenden Besuch in der palästinensischen
Evangelischen Kirchengemeinde von Beit Jala bei Bethlehem stellte Pfarrer
Shihadeh sein Projekt „Abrahams-Herberge“ in Form einer Ausbildungs- und
Begegnungsstätte mit Gästehaus vor. Das Projekt soll zum Dialog und Verständnis
unter Palästinensern, Israelis und Christen beitragen. Besonders bedrückend
war sein Bericht über die schwierigen Lebensbedingungen der Palästinenser.
Am Abend dieses langen Tages führte uns der Essinger
Theologiestudent Michael Hornung, der zur Zeit zwei Semester an der hebräischen
Universität von Jerusalem studiert, in den Ablauf eines jüdischen Gottesdienst
ein. So vorbereitet, konnten wir am folgenden Sabbattag in der Großen Synagoge
von Jerusalem am Gottesdienst mit seinen eindrücklichen Gesängen und Lesungen
teilnehmen.
Am Ölberg
brachen wir zu unserem Rundgang durch Jerusalem auf. Der Weg ging in das
Kidrontal hinunter zum Garten Gethsemane, zur Verratsgrotte und dann hinauf zum
Löwentor und hinein in die Altstadt. Wir folgten dem Leidensweg Jesu, der Via
Dolorosa, von der Geißelungskirche zur Burg Antonia, wo Jesus verurteilt
wurde, durch den belebten Basar bis zur Grabeskirche mit dem Grab Jesu am
Golgatha-Felsen. Die Konkurrenz der verschiedenen Religionsgemeinschaften in
der Grabeskirche und ihre gleichzeitigen, sich gegenseitig störenden, oft lauten
und geschäftig wirkenden Gottesdienste, lassen an diesem für Christen so
bedeutsamen Ort leider keinen Raum für Besinnung. Mit einem Besuch auf dem
Zionsberg mit dem Abendmahlssaal und Dormitiokirche endete unser erster Jerusalemtag.
Der nächste Tag brachte uns hinunter an das Tote Meer
zur herodianischen Bergfestung Massada, zu einer Wanderung in das Wadi En Gedi
mit dem Davidswasserfall, bei dem David den ihn verfolgenden König Saul im
Schlaf verschonte, und weiter nach Qumran, wo 1950 über 1000 Schriftrollen aus
dem 1. Jhd. v. Chr. gefunden wurden, u.a. mit den Texten des Alten
Testaments. Schließlich überzeugten wir uns beim Bad im Toten Meer von der
Tragfähigkeit dieses besonders salzigen Wassers. Der letzte Tag in Jerusalem
führte uns auf den Tempelberg mit der Al Aksa-Moschee und dem prächtigen
Felsendom mit der berühmten vergoldeten Kuppel. Danach hatten wir Gelegenheit,
an der Klagemauer jüdische Bar Mizwa-Feiern mitzuerleben, bei denen die
13-jährigen jüdischen Knaben erstmals öffentlich Thora-Lesungen durchführen
dürfen. Danach konnten wir uns im Israel-Museum anhand eines großen
Jerusalem-Modells ein Bild vom antiken Jerusalem mit dem Tempel des Herodes
machen.
Tief bewegte uns der Besuch in der
Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mit der Gedenkstätte an die
nationalsozialistischen Vernichtungslager, in denen 6 Millionen Juden
umgebracht wurden, der Kindergedenkstätte zur Erinnerung an 1,5 Millionen
getöteter Kinder. Sprachlos und mit Tränen in den Augen verlässt man diese
Gedenkstätte des Grauens.
Dankbar und tief beeindruckt von den biblischen
Stätten, aber auch den Problemen dieser Region und seiner Menschen, nahmen wir
Abschied mit dem großen Wunsch, dass dieses Land zur Ruhe kommt und dass dort
Verständnis und Frieden einkehren möge!
Manfred Reichert