Menschen unserer Kirchengemeinde

Freude an der Kirche wecken

Menschen machen unsere Kirchengemeinde zu dem, was sie ist: Ein Ort der Begegnung und des Miteinanders. Monika Fischer hat den Leiter des Essinger Posaunenchores, Reinhard Liebhäußer befragt.

 
Herr Liebhäußer, Sie sind in Essingen aufgewachsen, hier konfirmiert worden?

Ja, ich bin sogar hier in Essingen geboren, wie zu der Zeit die meisten Kinder. In meiner Schulzeit im Jahr 1968 hat Rektor Hay, der den Posaunenchor leitete, mich eingeladen, in die Probe zu kommen. Uns Jungbläser hat Jakob Scheid ausgebildet. Seitdem bin ich dabei und es macht mir immer noch viel Freude. Konfirmiert wurde ich von Pfarrer Wilfried Gräter. Nach der Konfirmation gingen wir noch ein Jahr lang vor dem Sonntagsgottesdienst in die „Christenlehre“.

Gab es für Sie ganz besonders eindrückliche Erlebnisse in unserer Kirchengemeinde?

Bei der Kirchenrenovierung 1964/65 war ich schon aktiv dabei. Mich hat der Einsatz der Essinger Landwirte, die mit ihren Wagen Unmengen von Baumaterial transportiert haben, sehr beeindruckt. Besonders gut erinnere mich noch an den Orgelabbau und die Lagerung der Orgelpfeifen, wobei ich helfen durfte.

 
Aber die Liebe zum Posaunenspiel hat Sie gefesselt?

Im Jahr 1978 machte ich einen Leiterlehrgang für die Jungbläserausbildung in Trossingen. Seit den 80er Jahren führte die konsequente Aus­bildung zum Anwachsen unseres Posaunenchores auf jetzt 75 Bläser und 35 Jungbläser, Mädchen und Frauen selbstverständlich eingeschlossen. 1985 legte ich die Chorleiterprüfung ab. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits ein Jahr Chorleiter in Unterrombach. 1988 übernahm ich die Chorleitung von Jakob Scheid hier in Essingen. In einwöchigen Lehr­gängen konnte ich 14 Jahre lang immer wieder noch dazulernen und mich über Neues informieren.

Dieser große Einsatz in der Posaunenchorarbeit hat sicher Ihr Leben sehr geprägt.

Dass ich mich so intensiv einbringen konnte, ver­danke ich auch dem großen Verständnis und der Unterstützung meiner Frau Margret, mit der ich 1976 von Pfarrer Burkhardt getraut wurde. Es ist mir eine große Freude, dass die ganze Familie mitzieht. Unsere vier Kinder sind damit aufgewachsen und in den Posaunenchor hineingewachsen. Und beruflich konnte ich das Blasen auch werktags immer noch gut einbauen. Seit fast 35 Jahren spiele ich auch bei den Beerdigungen mit und konnte es immer einrichten, rechtzeitig auf dem Friedhof zu sein.

 
Herr Liebhäußer, ich habe den Eindruck, dass der Posaunenchor Ihre ganz große Familie ist.

So kann man es fast sehen, denn wir haben einen sehr guten Zusammenhalt. Freundschaften bestehen seit Jahrzehnten und man findet jederzeit Unterstützung, wenn man sie braucht. Zahlreiche Freizeiten im Rahmen der Jugendarbeit waren auch für unseren Nachwuchs Gelegenheit, das Gemeinschaftsgefühl zu erleben.

Gab es etwas, das Ihnen besonders viel Freude gemacht hat?

„Highlights“ waren die dreiwöchigen Reisen in den Jahren 2000 und 2006 nach Südafrika. „Kirche unterwegs“, ein Campingdienst des Evangelischen Gemeindedienstes, gab uns in den 90er Jahren vier Mal die Gelegenheit, in den großen Ferien zwei Wochen auf einem Campingplatz am Gardasee zu verbringen: täglich zweieinhalb Stunden Posaunenchorprobe am Vormittag, abends Konzerte an verschiedenen Orten, sonntags vier Gottesdienste. Wer da dabei war, ist der Posaunenarbeit treu geblieben.

Aber sicher kam doch auch manchmal etwas Unmut auf?

Natürlich gab es manches Auf und Ab. Die große Belastung führte auch mal zu besonderen Anspannungen, da konnten die Nerven schon mal bloß liegen. Von manchen Aufgaben habe ich mich jetzt getrennt. Ich war 19 Jahre lang Bezirksposaunenwart und 8 Jahre im Fachausschuss für Posaunenarbeit im EJW. Doch das Positive überwiegt. Die Posaunenchorarbeit macht mir sehr, sehr viel Spaß.

Gibt es etwas, das Sie gerne noch machen würden?

Ja – mit dem Posaunenchor noch mal eine Konzertreise nach Südafrika!

Macht Ihnen etwas Angst?

Unsere Gesellschaft lebt im Glauben, Arbeit und Geld sei alles. Die jüngere Generation sollte die Erfahrung machen, dass der persönliche Glaube in vielen Lebenslagen hilft. Wir Menschen können nicht alles aus eigener Kraft schaffen. Ich befürchte, viele Menschen vergessen das.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich möchte in meiner Familie noch viele schöne Zeiten erleben, das Wachsen der Familie und das gute Miteinanderauskommen. Natürlich liegt mir auch das weitere Zusammenhalten unseres Posaunenchors am Herzen und ich wünsche, dass er mit seiner Musik die Gemeinde nicht nur erreicht sondern auch begeistert und so dazu beiträgt, die Freude an der Kirche zu wecken und zu erhalten.

Diesem Wunsch schließe ich mich an. Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich, lieber Reinhard Liebhäußer, für die Zukunft alles Gute. Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.