Unsere Orgel ist nicht ganz so alt!
Schon im
vergangenen September begutachtete der Orgelsachverständige der Landeskirche
Kirchenmusikdirektor Burkhart Goethe auf Anfrage des Kirchengemeinderates hin
unsere Orgel. In seinen Bericht über unsere äußerlich denkmalgeschützte Orgel
flossen auch neue Recherchen im Woellwartschen Archivdeposit Staatsarchiv Ludwigsburg ein.
Etwa
der Einsturz des Chorgewölbes 1836/37 und nachfolgend nötige Reparaturen am
Orgelgehäuse.
Originalteile
aus dem 17. Jahrhundert wurden damals stark beschädigt, „sowohl Teile des
Prospektrahmens, der Gesimse und des Schnitzwerkes“. Sie wurden 1837 durch Joh.
Hinrich Schäfer instand gesetzt und erneuert. Der Unterbau der Orgel, der „Orgelfuß“,
wurde dabei völlig erneuert. Es gelang damals noch rechtzeitig, das gesamte
Pfeifenwerk vor dem Einsturz auszulagern, doch die Windladen und Trakturen waren „gänzlich zerschlagen und ruiniert“.
1880
erbauen die Gebrüder Link aus Giengen ein neues
Instrument mit 11 klingenden Stimmen auf einem Manual und Pedal. Schon damals,
wie 1979, als die Orgel mit 23 klingenden Stimmen auf zwei Manualen und einem
Pedal erneut ausgebaut wird, verwendete man jeweils das barocke Gehäuse wieder.
Zwischenzeitlich
musste sich die Kirchengemeinde 1917 von den großen Prospektpfeifen trennen.
Wie im ganzen damaligen Deutschen Reich wurde Zinn für Rüstungszwecke
beschlagnahmt. Ersatzpfeifen aus Zink ersetzten sie bis zum Orgelneubau 1979.
In
seinem Orgelgutachten vom Dezember 2008 datiert Burkhart Goethe auch das
historische Gehäuse der Orgel neu. „Trotz des Fehlens entsprechender archivalischer Belege kann als Erbauer des in der
Quirinuskirche Essingen bis heute erhaltenen Orgelprospekts aufgrund
stilistischer Merkmale mit großer Wahrscheinlichkeit Johann Christoph Herzer
aus Schwäbisch Gmünd zugeordnet werden.“
„Eine
erste Orgel in der Evangelischen Kirche Essingen wurde 1668 angeschafft, wie
ein in der Kirche noch vorhandenes Gedicht berichtet. Dass die genannte
Jahreszahl auch das Baujahr des heute noch vorhandenen Barockprospektes ist,
scheint fraglich zu sein. Vielmehr dürfte es sich bei dem 1668 erbauten
Instrument um Orgelpositiv bzw. eine kleine 4´-Orgel gehandelt haben, wie zu
diesem Zeitraum in Württemberg üblich.
Alle
in der Untersuchung festgestellten stilistischen Merkmale der erhaltenen
Prospektfront weisen deutlich auf eine Urheberschaft durch Johann Christoph
Herzer (um 1670-1734) aus Schwäbisch Gmünd hin. Da Herzer seine Tätigkeit
vermutlich nicht vor 1695 begann, dürfte diese zweite Orgel für Essingen – und
damit das ursprünglich hinter dem heute vorhanden
Prospekt vorhandene Orgelwerk – zwischen 1695 und 1705 entstanden sein. Es
hatte zunächst 8 Register auf einem Manual und Pedal, im Laufe des 18. Jahrhunderts
wurde noch im Pedal ein Posaunenbass 8`zugefügt und möglicherweise die Windlade
um 2 Manualregister erweitert. Wer diese Arbeit vornahm, ist nicht bekannt.“
Abschließend
hält das Gutachten fest: „Nach wie vor kann jedoch das denkmalgeschützte Orgelgehäuse
in Essingen zu den frühesten in Württemberg noch erhaltenen Orgelprospekten
zählen. Stilistisch ist es ein Gehäuse des ausgehenden Frühbarock und zeigt
gewisse Analogien zu norddeutschen Instrumenten gegen Ende des 17. Jahrhunderts.“
Der
Orgelsachverständige empfiehlt in den nächsten Jahren eine Hauptausreinigung
und Überholung sowie den Austausch der elektropneumatischen Registerzugapparate
gegen Laukhuff-Registermagnete. Diese
Maßname würde zudem der Platznot im Orgelinneren abhelfen und die Orgel für
Wartungen leichter zugänglich machen. Kosten von schätzungsweise 35.250 EUR
kämen dann auf die Kirchengemeinde zu.
(CB)